Zweiter Teil des Inklusionsseminars

Zweiter Teil des Inklusionsseminars

Der zweite Teil des Inklusionsseminars für „Empowerment von Migranten und Flüchtlingen mit/ohne Behinderung, Trauma und Depression, die schon lange in NRW leben und neu angekommenen sind als Multiplikatoren für eine nachhaltige Integration in Deutschland“ war ein voller Erfolg. 

Am vergangenen Wochenende nahmen über 20 Migranten und Flüchtlinge am zweiten Empowerment-Wochenende des Vereins Yes Afrika e.V. in Hamm, das in den Räumlichkeiten des Hotel Mercures stattfand, teil, um die Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Partizipation in Deutschland – insbesondere in Hamm – besser kennenzulernen. In Kooperation mit der Sozialorganisation „Aktion Mensch“ als finanzieller Förderer, wurden die Grundlagen für eine bessere Inklusion in die deutsche Gesellschaft erörtert.  „Mit diesem Empowermentseminar werden Migranten und Flüchtlinge als Lösung statt Probleme der Inklusionsarbeit ausgebildet und dargestellt“, fassten die Projektleiter Nelli Foumba Soumaoro und Yemi Ojo, das Wochenende zusammen.

 

Freitag

Eine so „bunte“ Seminargesellschaft wie am vergangenen Wochenende hat das Hotel Mercure in Hamm vermutlich lange nicht mehr beherbergt: Zu Gast waren Migranten und Flüchtlinge, die sich in den nächsten Monaten im Rahmen von turnusmäßig stattfindenden Wochenendworkshops zu „Multiplikatoren“ ausbilden lassen möchten. Multiplikatoren sollen als Experten und Vorbilder der Inklusion und den Integrationsprozess von anderen Migranten und Flüchtlingen, in ihrem sozialen Umfeld positiv beeinflussen und unterstützen. Dazu beschäftigen sie sich in den interaktiven Workshops detailliert mit Partizipationsmöglichkeiten, Kommunikation, Vernetzung, Verwaltungsstrukturen, Rechtsgrundlagen, kulturellen Feinheiten sowie gesellschaftlichen Etiketten in Deutschland, um auf dieser Grundlage und vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Erfahrungen in Zukunft aktive und gestaltende Rollen in der Inklusionsarbeit einzunehmen.

Mit diesem Ziel vor Augen trafen am Freitagnachmittag Migranten und Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern u.a Guinea, Mali, Ghana, Nigeria, Kenya, Tanzania, Kamerun, Senegal, Eritrea, Syrien, Mozambique, Afghanistan, Elfenbeinküste, Irak und der Türkei in Hamm ein.

Als Vorbereitung zum anschließenden Vortrag am Freitag von Josef Thiemeier, Mentaltrainer und Mediator im Konflikt über die Bedeutung der Mediation im zivilgesellschaftlichen Engagement, wurden die Ergebnisse des letzten Seminarwochenende, welche um die politische Bildung und Bedeutung der Inklusion, nochmals festgehalten.  Zusätzlich wurde durch Nelli Foumba Soumaoro und Yemi Ojo, Leiter des Seminars darüber aufgeklärt wie sich das Engagement in der Gesellschaft auszeichnen kann. Dabei machte sie deutlich, dass die Erwartungen des Engagements einer einzelnen Person davon abhängt mit welchen Voraussetzungen er nach Deutschland emigriert ist.

 

Wer will Veränderungen? Wer will verändern? Um diese Fragen sinnvoll zu beantworten ist es nach Joseph Thiemeier, sein Vortrag stellte den zweiten Teil des Seminars am Freitag dar, wichtig zu wissen was der Sinn dieser Veränderungen sein soll. Um diesen Sinn herauszufinden und fokussiert zu bleiben, stellt die Meditation einen wichtigen Aspekt dar. Eine Form dieser Meditation ist die Konzentrationsmeditation, bei der sich der Übende auf ein Element konzentriert wie dem Atem z.B. Diese Form der Meditation soll die Spiritualität sowie die Gesundheit und berufliche Tüchtigkeit fördern. „Denn wer nicht selbst fit ist kann anderen nicht helfen“, betonte Joseph Thiemeier und führte mit den Teilnehmern eine Übung der Konzentrationsmeditation durch. Die Teilnehmer empfanden die Konzentrationsmeditation als eine gute Übung für eine Verbindung zwischen Körper und Geist, um große Herausforderungen im Alltag zu meistern und ein Burnout, der in der heutigen Gesellschaft nicht unüblich ist, vorzubeugen.

Der Abend endete anschließend mit einem gemeinsamen Abendessen in den Räumlichkeiten des Hotels, bei dem sich die Teilnehmer mit den Referenten nochmals vertieft mit den Themen auseinandergesetzt haben.

 

Samstag

Der Samstagmorgen, der zweite Tag des Seminars, begann mit einem musikalischen Warmup und einer kurzen Zusammenfassung des gestrigen Tages. Danach machte Joel Zombou, Sozialpädagoge und Demokratietrainer in seinem Input klar, dass für ein gelungenes Engagement, das benötigt wird als intermediäres System mit Brückenfunktion zwischen Wirtschaft, Staat und Privatsphäre, die Kenntnis der Strukturen der Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf den Föderalismus unabdingbar sind. Deswegen erläuterte er detailliert die Staatsstrukturprinzipen, die sich aus dem Grundgesetz ergeben.   Anschließend wurden Techniken des Vortragens aufgezeigt und geübt, anhand einer Präsentation der Teilnehmer über ihr persönliches Engagement. Dabei wurden die Übungsvorträge der Teilnehmer gefilmt, um den Beteiligten ein besseres Feedback geben zu können. Zuvor hatten die Teilnehmer ihr Engagement auf DIN A2 Seiten zusammengefasst.

Nach der Mittagspause erzählte der eingeladene Gast Oumar Diallo aus Guinea von seinem Werdegang seit seiner Ankunft vor drei Jahren in Deutschland. Die damals fehlende Perspektive in seinem Heimatland verleitete ihn damals zur Flucht nach seiner jetzigen neuen Heimat Deutschland. Hier angekommen wollte er seine Möglichkeiten ausschöpfen und besuchte einen Sprachkurs, der von Jugendliche ohne Grenzen in Hamm unter Leitung von Nelli Foumba Soumaoro organisiert wurde. Der Sprachkurs war ihm jedoch nicht genug, sodass er sich bemühte eine Schule zu besuchen, um einen Schulabschluss zu erlangen, obwohl es ihm verwehrt war die Schule zu besuchen aufgrund seines aufenthaltsrechtlichen Status. Durch die Hilfe von Nelli Foumba Soumaoro, Jöel Zombou und der Bereitschaft des Elisabeth Lüders Berufskollegs in Hamm gelang es ihm aber die Sekundärstufe einer öffentlichen Schule zu besuchen. Während seinem ersten Schuljahr absolvierte er zwei Praktika bei der Hammer Tafel und dem FUgE. Das Praktikum eröffnete ihm sogar die Möglichkeit eine ehrenamtliche Arbeitsstelle bei FuGE anzunehmen. Nebenbei gründete er mit anderen Migranten ein Projekt namens „Immigranten für Immigranten“, um anderen Menschen die neu in Hamm ankamen Hilfe bei jeglichen Aufgaben, die im Alltag zu bewältigen sind, anzubieten. Zusätzlich absolvierte er ein weiteres Praktikum in einem Altersheim. Heute arbeitet er als Integrationsassistent. Die Teilnehmer des Seminars wurden durch die Erzählung seines Werdegangs inspiriert.Am Ende des Tages stellte Joel Agnigbo Canmakeit sein Buch „Stolpersteine auf dem Weg zur Freiheit” vor und beantwortete sämtliche Fragen zu inhaltlichen Aspekten.

 

Sonntag

Zum Abschluss des zweiten Workshops trafen sich alle Beteiligten am Sonntagmorgen zur Vorstellung der Ergebnisse der Gruppenarbeit, die auf großen Leinwänden präsentiert und den anderen erläutert wurden. Mit einem gemeinsamen Mittagessen endete ein vielversprechendes Wochenende, das vor allem die Lernbereitschaft und den Partizipationswillen aller Anwesenden offenbarte.

Der dritte Termin des Seminars wird Anfang nächsten Monat zum Thema „Förderung der Kommunikations- und Moderationskompetenz sowie Präsentations- und Rhetorikübung für die öffentliche Arbeit“ stattfinden.

 

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